Frau Irmgard Pinter ist als 3. Tochter einer Gastwirtsfamilie am Südufer der Drau aufgewachsen. Der Gasthof Srebot war einer von drei Gasthöfen an der alten Draubrücke bei Völkermarkt, die im Zuge der Entstehung des Völkermarkter Stausees abgerissen und ca. 500 Meter flussaufwärts neu errichtet wurde. Mit der Flutung des Stausees versanken die drei Gasthöfe im Fluss und die Familie Srebot übersiedelte nach Griffen. Das Gespräch wurde gemeinsam mit Bezirksobfrau Irmgard Dreier und dem Bezirkskassier Michael Kircher am 18. August geführt.

„EIN STRAND, FAST WIE IN LIGNANO“


Was haben Sie als Kind an der Drau getan und was haben die Eltern dazu gesagt?
Für die Eltern war das selbstverständlich, wir waren immer an der Drau. Meine Mutter hat immer gesagt: wenn ich a Diandl gebraucht habe, hab ich nur zur Drau runterschreien müssen, dann sind sie schon gekommen.

War nicht viel Wasser in der Drau?
Das ist ja das Schöne gewesen, die unsrige Seite war total flach, das war ein Strand fast wie in Lignano. Die andere Seite war tief und reißend. Bei uns waren drei Tümpel, wahrscheinlich vom Krieg Bombentrichter, der erste war schön warm, der zweite war weniger warm, der dritte war naja und dann in die kalte Drau. Auf unserer Seite hat man ruhig hineingehen können, sie ist ganz seicht gewesen und erst wenn man bei der Hälfte war, ist man wieder gerne zurück gegangen.

Haben Sie von Ihrem Kinderzimmer aus die Drau rauschen gehört?
Wenn sie Hochwasser hatte und sie etwas wilder gewesen ist. Sie war ja sehr breit bei uns, da ist nicht schnell ein Hochwasser gekommen, das war nicht so gefährlich, wie bei den Bächen. Sie hat schon viel Treibholz mitgebracht, aber es war nie eine Versperrung oder sowas, aber einmal, im 46er Jahr, ist sie doch bei uns in der Küche gewesen und wir sind auf Pfosten durchs Haus gegangen. Bei uns war die Drau nicht so bedrohlich, aber man muss auch sagen warum: weil unser Haus direkt am Ran gebaut war und wir aus dem ersten Stock ins Freie flüchten konnten.

Mussten Sie als Kind schon viel mitarbeiten im Gasthaus?
Ja, alles. Vom Brunnen Wasser holen, Holz holen, Schuhe putzen, Lichter putzen, es gab immer was zu helfen.

Wurde bei Ihnen auch gesungen im Gasthaus?
Ja, sehr viel. Und zwar war bei uns eine Kriegswitwe mit 4-5 Kindern, die war viel und gerne unterwegs und hat so auf ihre Kinder aufgepasst. Sie hat ihre Rente gehabt, und sie und die älteste Tochter haben so schön singen können, Sopran und Alt, und bald war hie und da ein Mann dabei, so dass sie zu dritt oder zu viert singen konnten. Gasthaus-Singen halt, aber für uns war es schön.

Denken Sie heute gerne an die Zeit des Gasthauses zurück?
Ich hab nur positive Erinnerungen. Mir hat das gefallen, unter den Gästen, die sind ja viel in der Küche gesessen. Und es gab ja oft Leute, die selbst ein Kind mithatten oder zwei, da konnten wir dann schon Fangenspielen oder Zehnerln, da war immer was.

Gab es bemerkenswerte Stammgäste oder Originale?
Hundertprozentig. Zum Beispiel Eberndorfer, Priebelsdorfer, Kühnsdorfer, die nach Völkermarkt stempeln gingen dienstags und freitags. Einen gab es überhaupt, der gestempelt hat, der ist immer, wenn er vom Stempeln heim ging, bei uns gewesen, der hat eine Loarfn ghabt und uns auch einmal was geschenkt. Dann gab es Leute aus St. Peter die mit der Maschine nach Eisenkappel gefahren sind, Holzknechte, Vater und Sohn, die waren immer freitagnachmittags bei uns, bevor sie heim sind.

Ist´s auch manchmal laut geworden, hat man viel diskutiert und gestritten?
Auch, aber mein Vater war streng und er hat auch nie zugelassen, dass die Leute halb bewusstlos waren vor lauter trinken. Er hat oft gesagt, du hast genug, geh heute heim. Mein Vater war streng. Und die Priebelsdorfer, das waren bekannte Streiter, da musste man schon aufpassen, wenn sie genug getrunken hatten, dass sie wieder brav nach Hause gehen.

Wie geht’s Ihnen heute, wenn Sie zur Drau hinunterkommen?
Es ist ein gutes Gefühl. Und auch wenn ich nach Eberndorf fahre, denke ich immer an die Drau und an die Zeit zurück.

NEHMEN SIE GERNE MIT UNS KONTAKT AUF...

Email

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close